EXIST-Forschungstransfer ist ein zweiphasiges Förderprogramm des BMWK, das technologieorientierte Gründungen aus der Wissenschaft mit Personalkosten, Sachausgaben und Coaching unterstützt. Förderberechtigt sind Forschungsteams an Hochschulen oder Forschungseinrichtungen mit belegtem Innovationspotenzial; der Antrag erfolgt institutionell.
EXIST-Forschungstransfer ist ein Förderprogramm des Bundesministeriums für Wirtschaft und Klimaschutz, das forschungsbasierte Deep-Tech-Startups in Deutschland in zwei Phasen umfassend bei der Realisierung technologieorientierter Gründungsvorhaben unterstützt. Das Programm richtet sich an Teams aus Hochschulen oder Forschungseinrichtungen mit innovativen, risikoreichen Ideen, die mittels Prototypen und Businessplan den Weg aus der Wissenschaft in die Wirtschaft finden wollen. Im Folgenden erfahren Gründerinnen und Gründer, für wen die Förderung gedacht ist, wie der Ablauf funktioniert und was bei Antrag und Umsetzung wichtig ist.
- EXIST-Forschungstransfer unterstützt Gründungsvorhaben mit belegtem Innovationspotenzial an Hochschulen und Forschungseinrichtungen.
- Das Förderprogramm ist zweiphasig: Phase I (bis 18 Monate) vor der Gründung, Phase II (bis 18 Monate) nach der Gründung.
- Gefördert werden Personalkosten, Sachausgaben, Coaching und die Einbindung von Wirtschaftsexperten; Antragstellung über Institution.
Was ist EXIST-Forschungstransfer?
EXIST-Forschungstransfer ist ein Förderprogramm des Bundesministeriums für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK), das auf die wirtschaftliche Umsetzung anspruchsvoller und risikoreicher Forschungsergebnisse aus der Wissenschaft abzielt. Im Fokus stehen technologieorientierte Gründungsvorhaben, die bereits erste Funktionsnachweise (z. B. durch Patente oder wissenschaftliche Publikationen) vorlegen können und nun die Brücke zu marktfähigen Produkten und Dienstleistungen schlagen möchten [1]. Als zweistufiges Programm ermöglicht EXIST-Forschungstransfer eine intensive Entwicklung bis zur und nach der Gründung, um insbesondere Deep-Tech-Startups aus dem akademischen Umfeld erfolgreich in den Markt zu begleiten.
Für welche Tech-Startups eignet sich die Förderung?
Die Förderung richtet sich an Forschungsteams, die aus Hochschulen oder außeruniversitären Forschungseinrichtungen kommen und eine Unternehmensgründung anstreben. Zentral ist der Nachweis, dass das Vorhaben auf eigenen wissenschaftlichen Ergebnissen beruht und ein hohes technologisches sowie wirtschaftliches Innovationspotenzial besitzt. Förderfähig sind insbesondere Startups mit technologiegetriebenen Geschäftsmodellen im Hightech-Bereich, beispielsweise aus den Bereichen Medizintechnik, Ingenieurwissenschaften, Biotechnologie oder IT, bei denen für den Markteintritt noch substanzielle Entwicklungsarbeit notwendig ist. Typische Teamzusammenstellungen bestehen aus promovierten Forschenden, Ingenieurinnen und Ingenieuren sowie gegebenenfalls wirtschaftsnahen Expert:innen.
Welche Voraussetzungen muss das Forschungsteam erfüllen?
Um für den EXIST-Forschungstransfer in Frage zu kommen, muss das Team einige zentrale Bedingungen erfüllen. Zum einen muss das Innovationspotenzial klar belegt werden – etwa durch Patente, Prototypen oder wissenschaftliche Veröffentlichungen, die einen sogenannten "Proof of Principle" liefern können. Das Vorhaben darf nicht auf reinen Markttrends basieren, sondern muss auf eigenen, originären Forschungsergebnissen fußen. Die Gründungsidee muss zudem einen substanziellen Mehrwert erkennen lassen, der realistisch am Markt umsetzbar ist. Eine wichtige Rolle spielt außerdem, dass die Forschungseinrichtung oder Hochschule das Projekt nachweislich unterstützt und sich am Antrag aktiv beteiligt. Die Gründung selbst sollte erst im Zuge der Förderung erfolgen, in der ersten Phase ist das Team noch an der Institution angebunden.
Wie unterscheiden sich Förderphase I und Förderphase II?
Der EXIST-Forschungstransfer ist in zwei exakt voneinander abgrenzbaren Förderphasen organisiert. In Phase I, die bis zu 18 Monate dauert, stehen die technologische Weiterentwicklung und die umfassende Gründungsvorbereitung im Mittelpunkt. Hier werden insbesondere die Entwicklung marktfähiger Prototypen, die Konkretisierung des Geschäftsmodells sowie die Ausarbeitung eines tragfähigen Businessplans finanziert [1]. Nach erfolgreicher Unternehmensgründung kann das Team auf Wunsch in Phase II einsteigen. Diese zweite Förderperiode dauert ebenfalls bis zu 18 Monate und ermöglicht die strategische Weiterentwicklung des jungen Unternehmens. So können in Phase II die Markteinführung, der Ausbau betrieblicher Strukturen und die Anpassung der Produkte an Kundenbedürfnisse gezielt gefördert werden. Phase II ist insbesondere dafür gedacht, den Übergang von der technischen Entwicklung zum erfolgreichen Markteintritt abzusichern.
Welche Kosten und Ausgaben werden gefördert?
EXIST-Forschungstransfer fördert eine Vielzahl von projektbezogenen Ausgaben. Dazu zählen in erster Linie die Personalkosten für das Gründungsteam, wobei bis zu vier Stellen abgedeckt werden können. Auch Sachausgaben wie Material- und Gerätekosten, Softwarelizenzen und Dienstleistungen sind förderfähig [1]. Ergänzend werden Maßnahmen für Coaching angeboten, die dabei helfen sollen, die unternehmerischen Kompetenzen des Teams zu stärken und eine gezielte Einbindung von erfahrenen Unternehmer:innen, Investor:innen oder Mentor:innen zu ermöglichen. Die Aufnahme von externem Know-how wird ausdrücklich gewünscht und unterstützt, denn technologische Exzellenz allein genügt auf dem Weg zur erfolgreichen Gründung oftmals nicht. In Phase II kann das junge Unternehmen weiterhin von einer finanziellen Förderung profitieren, wobei in dieser Phase ein Eigenanteil aufzubringen ist und die Förderquote bei bis zu 75 Prozent liegt. Die genaue Höhe der Zuschüsse orientiert sich dabei an den Vorgaben und am individuellen Finanzierungsbedarf des Teams. Wichtig ist stets der Nachweis eines sinnvollen und glaubhaften Mittelbedarfs im Antragsprozess.
Wie läuft die Antragstellung über Hochschule oder Forschungseinrichtung ab?
Der Förderantrag für den EXIST-Forschungstransfer wird grundsätzlich über die jeweilige Hochschule oder Forschungseinrichtung gestellt. Das Team trägt dabei die Verantwortung für die inhaltliche Vorbereitung und Zusammenstellung aller benötigten Unterlagen, während die Institution als formaler Antragsteller auftritt. Notwendig sind ein detaillierter Projektplan, die Beschreibung der Schutzrechtssituation (insbesondere bei Patenten), Nachweise des Marktpotenzials und der originären Forschungsergebnisse. Zudem muss eine Arbeitsplanung und ein Ideenpapier erstellt werden, aus der die technische Machbarkeit sowie die wirtschaftlichen Perspektiven hervorgehen. Die Einreichung erfolgt in der Regel über das Portal easy-Online, wobei je nach Fristen und Ausschreibungsmodalitäten zusätzliche Hilfestellungen und Transferstellen der Hochschulen beratend zur Seite stehen. In der praktischen Abwicklung ist Geduld gefragt, da der Prozess zahlreiche Rückfragen und Abstimmungen mit sich bringen kann und oft mehrere Überarbeitungsschleifen notwendig sind.
Welche Unterlagen, Meilensteine und Fristen sind wichtig?
Im Ablauf der Antragstellung und Umsetzung kommt es auf eine lückenlose Dokumentation und strukturierte Zeitplanung an. Wichtige Unterlagen umfassen unter anderem einen Lebenslauf aller Teammitglieder, eine Beschreibung und Begründung der technischen Innovation, eine Aufschlüsselung geplanter Sachmittel, eine Übersicht des Intellectual Property Status, ein Markt- und Wettbewerbsumfeld sowie eine Risikobewertung. Im Verlauf der Förderung werden Meilensteine vereinbart, die messbare Fortschritte in Technologie, Produktentwicklung und Marktannäherung dokumentieren. Zu den einzuhaltenden Fristen zählen die offiziellen Einreichungsstichtage des BMWK und projektinterne Deadlines für Berichte und Nachweise gegenüber der fördernden Stelle. Wer die vorgeschriebenen Meilensteine nicht erreicht oder Zwischenberichte nicht termingerecht abliefert, riskiert eine Kürzung oder den Rückzug von Fördermitteln. Daher ist bereits im Antragsprozess eine realistische Zeitplanung eine zentrale Erfolgsvoraussetzung.
Typische Probleme bei der Antragstellung
Viele Forschungsteams stehen vor der Herausforderung, die geforderten Nachweise für das Innovationspotenzial und den IP-Status überzeugend zu erbringen. Die hohen inhaltlichen und formalen Anforderungen führen dazu, dass Teams oft intensive Unterstützung durch Transferstellen oder externe Coaches benötigen. Zudem unterschätzen Antragstellende häufig den Zeitaufwand, der für die Ausarbeitung und Abstimmung der Unterlagen anfällt. Fehlt etwa der technische Machbarkeitsnachweis (Proof of Principle) oder ist die Schutzrechtssituation ungeklärt, kann dies den Antrag verzögern oder zum Ausschluss führen. Nicht selten scheitert ein Antrag auch daran, dass wirtschaftliche und technische Kompetenzen im Team noch nicht zusammenfinden oder eine belastbare Marktanalyse fehlt.
Aktuelle Entwicklungen beim EXIST-Forschungstransfer
Das EXIST-Programm wurde in den letzten Jahren gezielt an die veränderten Gründungsbedarfe angepasst. So wurde etwa der Fördermittelrahmen 2023 aufgestockt und die Coaching-Komponente weiterentwickelt, um den Teams gezielt zusätzliche unternehmerische Expertise zu ermöglichen. Zusätzlich wurden Antragsverfahren und Leitfäden aktualisiert, um den Zugang zu erleichtern und die Qualität der Businesspläne zu erhöhen. Hochschulen und Wissenschaftseinrichtungen in Deutschland bauen parallel ihre Unterstützungssysteme weiter aus – und erhöhen damit die Chancen, auch komplexe Deep-Tech-Gründungen erfolgreich in den Markt zu überführen. Für forschungsbasierte Startups gilt EXIST-Forschungstransfer weiterhin als eines der wichtigsten Programme für den Weg von der Idee zum Unternehmen.
Welche Alternativen gibt es, wenn EXIST-Forschungstransfer nicht passt?
Sollten wesentliche Voraussetzungen wie der Nachweis eigener Forschungsergebnisse, das Innovationspotenzial oder die institutionelle Unterstützung fehlen, gibt es in Deutschland ergänzende Förderprogramme. Das ursprüngliche EXIST-Gründerstipendium eignet sich für weniger aufwendige Vorhaben mit geringerem Entwicklungsbedarf, während regionale oder themenbezogene Programme wie GO-Bio oder ProfiIregion weitere Optionen bieten. Auch die Kontaktaufnahme zu Acceleratoren oder branchenspezifischen Inkubatoren kann insbesondere bei fehlendem Hochschulbezug eine Brücke ins Gründungsökosystem eröffnen. Wer eine Antragstellung in Betracht zieht, sollte Förderlandschaft und Kapazitäten im eigenen Team sorgfältig evaluieren, um realistische Erfolgschancen auszuloten.
Der EXIST-Forschungstransfer bietet einen strukturierten, finanziell gut ausgestatteten Rahmen, um aus Hightech-Forschung Unternehmensgründungen zu realisieren. Angesichts der hohen formalen Anforderungen empfiehlt sich eine frühe fachliche Beratung. Die Erfolgsaussichten steigen mit einer realistischen Einschätzung von Ressourcen, Marktzugang und IP-Schutz. Wer diese Hürden meistert, trägt maßgeblich zur Innovationskraft und Wettbewerbsfähigkeit des Standorts Deutschland bei.
Quellen
[1] EXIST-Forschungstransfer – Voraussetzungen und Förderung (EXIST / Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK))



